Megaösophagus - Vergrößerung der Speiseröhre

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Monika

Megaösophagus - Vergrößerung der Speiseröhre

Beitrag von Monika » 20. Jan 2012 10:59

Das versteht sich zwar von selbst, aber ich weise vorab ausdrücklich darauf hin, dass ich kein Mediziner, sondern schlicht medizinischer Laie bin. Die folgenden Informationen über den Megaösophagus habe ich nach eingehender Lektüre verschiedenster Quellen im www nach bestem Wissen, Gewissen und Verständnis verfasst. Es wäre sehr umständlich, hier alle Quellen aufzulisten, deshalb beschränke ich mich auf die wichtigsten und interessantesten:

whippet-health.co.uk/#/megaesophagus/4549951887

de.wikipedia.org/wiki/Mega%C3%B6sophagus

myasthenia-gravis.de/berichte/category/myasthenie-beim-hund

italienische-windspiele.blogspot.com/2010/01/megaoesophagus.html

spezialistenklinik.ch/download/Erbrechen_Teil_1_7_05.pdf

runninggag.at/index.php?gr_id=94&k_id=466&b_id=3592

Ein Megaösophagus ist immer ein Fall für fachtierärztliche Betreuung und ich gehe davon aus, dass sich betroffene Leser an einen solchen wenden und nicht nur blind auf einzelne Äußerungen in einem Forum verlassen.



Was ist ein Megaösophagus?

Der Megaösophagus ist eine krankhafte Erweiterung der Speiseröhre.

Die gesunde Speiseröhre besteht aus Muskeln, deren Aufgabe es ist, abgeschluckte Speisen hinunter in den Magen zu transportieren. Sie funktioniert also auf ähnliche Weise wie der Darm durch rhytmisches Verengen und wieder Entspannen.

Beim Megaösophagus ist ein mehr oder weniger großer Bereich der Speiseröhre erschlafft und erweitert. In einigen Fällen bildet sich die Aussackung, auch Dilatation genannt, oberhalb einer Verengung.

Wie entsteht ein Megaösophagus?

Bei vielen Hunden mit späterem Megaösophagus geht zunächst einmal nur die Fähigkeit der Luftröhre zur Kontraktion teilweise verloren. Insbesondere Trockenfutter, Hundekekse und -knochen sowie anderes Kauzeugs bleibt nach dem Abschlucken an der betreffenden Stelle stecken und staut sich so in der Speiseröhre an, dass mit der Zeit eine immer größer werdende Aussackung ensteht, in der noch mehr Futter liegenbleibt, insbesondere dann, wenn vom Boden aus gefüttert wird.

Eine durch eine angeborene oder erworbene Anomalie, aber auch durch einen Tumor oder eine Verkrampfung entstandene Verengungen der Speiseröhre behindert den normalen Abtransport der Nahrung in den Magen und begünstigt so ein dauerhaftes Ausdehnen der Speiseröhre oberhalb dieser Verengung.

Ursache des Megaösophagus ist also eine Lähmung oder Verengung der Speiseröhre.

Was bedeutet Peristaltik?

Die Peristaltik bezeichnet genau das, was bei einem Megaösophagus grundsätzlich nicht (mehr) reibungslos funktioniert: Impulsive Kontraktionen im ständigem Wechsel mit Entspannung.

Was ist eine Idiopathie?

Eine Idiopathie ist ein krankhaftes Geschehen, dessen Ursache nicht klar erkennbar bzw. noch unerforscht ist.

Auch wenn der Megaösophagus auf eine Lähmung oder Engstelle der Speiseröhre zuruckzuführen ist, kann er ein idiopathischer Megaösophagus sein. Diese Form des MÖ soll bei Hunden die häufigste sein. Das bedeutet, dass sich in einer Vielzahl von Fällen trotz eingehender Untersuchung keine Ursache für die Beeinträchtigung der Peristaltik oder Verengung der Speiseröhre finden lässt.

Symptome eines MÖ

Durch einen MÖ bleiben dem betroffenen Hund Futter und im Extem sogar Wasser regelrecht auf halbem Weg zum Magen stecken. Größere Mengen Nahrung oder Wasser kann der Hund sogar Stunden später wieder hervorwürgen. Dieser Vorgang, das Regurgitieren, unterscheidet sich deutlich vom "echten" Erbrechen, welches immer durch eine Kontraktion in der Bauchgegend gekennzeichnet ist. Beim Regurgitieren streckt der Hund schlicht den Kopf nach vorne und unten und ein Schwall Futter und/oder Wasser läuft praktisch wieder heraus.
Es kann aber auch nur gelegentlich zum Regurgietieren kommen und der betroffene Hund hustet und räuspert sich nur. Oder er verschluckt sich.
Durch das ständige Vorhandensein von Nahrung und Wasser in der Speiseröhre steigt das Risiko, dass etwas davon in die Luftröhre gerät, enorm an. Häufig entstehen Atembeschwerden bis hin zu fiebrigen Lungenentzündungen durch das Einatmen von Nahrung oder Wasser.
Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen erreicht immer weniger Nahrung den Magen und der Hund verliert zunehmend an Gewicht. Flüssigkeit geht je nach Körperhaltung des Hundes sogar durch die Nase ab, insbesondere bei Saugwelpen.
Hinweisend können auch vermehrtes Sabbern und ein unangenehmer Geruch aus dem Maul sein.

Angeborener oder erworbener MÖ?

!!!Vorsicht! Das Foto ist nichts für schwache Gemüter!!!
Sektionsbefund Megaösophagus bei einem Welpen
http://w3.vet.cornell.edu/nst/nst.asp?F ... imgID=2813

In den ersten Lebensmonatenn lassen sich der angeborene und der erworbene Megaösophagus nur anhand weitergehender Untersuchungen voneinander unterscheiden. Beiden Formen kann sowohl eine Striktur, dass ist eine sogenannte Raumforderung, oder neuromuskuläre Störung zugrunde liegen.
Diesbezüglich scheint diese Differenzierung unlogisch, jedoch deutet sie an, dass MÖ je nach Rasse und Blutlinie gehäuft vorkommt, wobei man die zugrundeliegende Störung bzw. Erkrankung noch nicht identifiziert hat und vermutet, dass der MÖ die einzige Folge daraus ist.
Bei so einigen Welpen kann man den Eindruck gewinnen, es handele sich um ein temporäres aus den Fugen geraten der Proportionen im Körperinnern, denn diese MÖ haben eine gute Prognose: Sie "verwachsen" sich bei vielen Junghunden wieder und die MÖ bilden sich leicht bis vollständig zurück.
Doch selbst die beste Pflege des Welpen bringt nicht immer die ersehnte Heilung mit sich.
Oft wird behauptet, nur angeborene MÖ könnten ausheilen, aber das ist nicht ganz richtig so. Beispielsweise kann sich ein erworbener MÖ, ausgelöst durch Myasthenia Gravis, wieder zurückbilden, wenn die Myasthenie rechtzeitig ausheilt bzw. korrekt therapiert wird.

Ich persönlich halte Begriffe wie Idiopathie und angeboren für Relikte aus einer Zeit begrenzter Erkenntnisse, in der nicht lange nach Ursachen gesucht, aber aus wissenschaftlicher Eitelkeit auch nicht auf passende Schublädchen verzichtet wurde.

Bekräftigt wird meine Vermutung noch dadurch, dass der angeboren wie auch der erworben genannte MÖ in den einzelnen Rassen und Linien unterschiedlichen Erbmustern folgt.

Der MÖ als Symptom

Bei Verdacht auf einen MÖ wird die Speiseröhre meist geröntgt oder endoskopiert. Hierbei fallen dann auch gleich etwaige Verengungen auf. Diese Verengungen geben einen Hinweis auf die Grunderkrankung/-mißbildung. Es könnte ein Tumor im Bereich der Speiseröhre sein. Oder eine pränatale Gewebsstruktur hat sich nicht zurückgebildet und behindert nun die Passage von Nahrung. Insbesondere bei Welpen, die erste Symptome bei der Gewöhnung an festes Futter oder früher zeigen, sollte an letztgenannte Möglichkeit gedacht werden. Eine operative Entfernung dieses Gewebes sollte so früh wie möglich erfolgen.

Erste Symptome beim Absetzen der Muttermilch in der sechsten Woche deuten einen erworbenen MÖ aufgrund einer angeborenen (da ist ja wieder dieses Wort, hmmm...) Myasthenia gravis an.

Ich will und kann jetzt aber nicht abschließend sämtliche Möglichkeiten erklären, deshalb hier nur eine kleine Übersicht von Krankheiten und Störungen, die zu einem MÖ führen können:

- Myasthenia gravis, siehe auch - http://www.whippetforum.eu/viewtopic.php?f=10&t=3083
- Durch einen Unfall, eine Behinderung oder Verletzung entstandene Verengung
- Morbus Addison/Bronzekrankheit
- Kehlkopflähmung
- Vergiftung
- Lupus
- Tetanus
- Dysautonomie
- Tumoren
- diverse Muskelerkrankungen/Störungen des Zentralnervensystems, z.B. Dermatomyositis

Auffallend oft leiden Hunde mit einem MÖ an einer Unterfunktion der Schilddrüse. Dennoch soll die Unterfunktion kein potentieller Auslöser von MÖ sein.

- Ende Teil 1 -

Teil 2 über die Pflege eines MÖ Hundes folgt bald! :ergeben:
Zuletzt geändert von Nupsi am 20. Jan 2012 17:12, insgesamt 1-mal geändert.

Krawutke

Re: Megaösophagus - Vergrößerung der Speiseröhre

Beitrag von Krawutke » 20. Jan 2012 12:27

Sehr interessant,Danke Monika! :ja:
(Gibt wieder Gedankenmühlenfutter )

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