Eine Spekulation: Myasthenia Gravis?

Tipps ersetzen nicht den TA Besuch
Monika

Eine Spekulation: Myasthenia Gravis?

Beitrag von Monika » 18. Dez 2011 21:20

Hallo zusammen,

erstmal für die, die es noch nicht wissen: Ich bin ehemalige Besitzerin der Whippets Isis mit dem wahrscheinlichen Tupfer Jack Russel und Vlinn, die beide auf tragische Weise ihr Leben verloren.

Isis starb mit knapp 4 1/2 an Kreislaufversagen (kein Sauerstoff mehr im Blut) infolge eines akuten Anfalls mit Schleimwürgen und -koten, Lähmungen, zunehmender Schwäche und einer Magenaufgasung.
Isis, von mir liebevoll im Privaten WhippetPlus anstatt Lurcher genannt ... soviel Eitelkeit muss sein, war eine eher sehr gesunde Hündin mit nur einer leichten, allergischen Erscheinung auf dem Nasenspiegel in jedem Frühjarh, die uns aber keine Probleme machte. Sie zeigte immer mal wieder ein einseitiges Hinken der Hinterhand, dass sich von TÄ, wen wundert's, nicht abklären ließ. Erst als ich in der Hunde Revue von Physiotherapie las und vorsichtig die Beinchen bewegte, fand ich mehrere Übung, die das Hinken nach und nach beseitigten. Sie brach mit 2 einmal nach dem Toben zusammen und blieb seitlich auf den kühlen Fliesen im Flur liegen. Ich vermutete Hitzschlag und bedeckte sie mit nassen Handtüchern, erst nur die Füße dann die Oberame und -schenkel u.s.w. Als ich fertig war, griff ich zum Telefon - Tierklinik. Noch bevor jemand abnahm, rappelte sich Isis auf und war wieder munter wie eh und je. Die Sache wurde als Überverausgabung abgetan und *Glück gehabt* mehr oder weniger vergessen. Velleicht war es das auch.
Im Mai 1999, da war Isis 4 Jahre und 3 Monate alt, kam der Rüde Vlinn in unsere Familie und lebte zunächst bei meinem Bruder. Isis wude frisch geimpft, kurz davor oder danach verlor sie eine Kralle und die TÄ spritzte ein AB. Es zeichneten sich erste ernsthafte Unverträglichkeiten zweischen Vlinn und seinem vierbeinigen Mitbewohner ab, so dass Vlinn erste Nächte bei uns verbrachte, worauf Isis mit einer vorgezogenen Hitze reagerte. Nach drei getrennten Wochen kam Vlinn dann nach etwas hin und her ganz zu uns.
Etwa drei Wochen nach diesem offenbar freudig begrüßten, neuen Stressfaktor kollabierte Isis auf oben beschriebene Weise - nach Mitternacht - und musste nach Magenentleerung und mehreren Spülungen in der TK bleiben. Die zusätzlichen neuronalen Ausfälle ließen den TA an eine Vergiftung denken - ein schrecklicher Verdacht, den der TA erst später wieder entkräftete, indem er einräumte, dass sich ein Körper auch selbst vergiften kann, was er für wahrscheinlicher hielt. Am folgenden Morgen schien sich alles wieder gebessert zu haben, so berichtete der TA. Wir waren sehr vor den Kopf geschlagen, dass wir Isis trotzdem nicht sehen durften, denn sie sollte sich nicht aufregen. Das hat mir später heftige Schuldgefühle gemacht, denn mein Bauch sagte mir, dass sie mich brauchte. Jedenfalls war der TA optimistisch, aber an mir liefen seine gute Miene und die vielversprechenden Worte irgendwie vorbei. Ich spürte die Verbindung reißen, so deutlich, dass es fast körperlich wahrnehmbar war. So kam es dann leider auch, dass ich am nächsten Morgen angerufen und um die Erlaubnis zur sofortigen Euthanasie gebeten wurde. So starb Isis am 26. Juni 1999 um 10 Uhr vormittags, exakt ein Jahr vor diesem schrecklichen Kampfhundevorfall in Bremen, der der Kampfhundedebatte einen traurigen Höhepunkt bescherte.
Einige Dinge in Isis letzter Zeit sprechen für eine Krankheit, die sich erst langsam einschlich und dann in dem akuten Anfall mündete. Es gab in der Zeit ihrer letzten Hitze eine Wesensveränderung: Isis. sonst der fröhlichste und vertrauensvollste Hund der Welt, konnte plötzlich nicht mehr allein bleiben, jaulte durchgehend ganz herzzerreißend. Bei der Impfung jaulte sie geradezu beleidigt auf und schnappte nach der TÄ, obwohl sie vorher immer die Ruhe in Hundeperson war. Sie knurrte mich erstmals an, als ich die Krallen ihrer Hinterläufe kürzen wollte. Zuvor ließ sie sich das immer anstandslos und urgemütlich-entspannt auf der Seite liegend gefallen, bei Namensnennung sogar wedelnd.
Auf einem Spaziergang mit Vlinn brach Isis, nachdem sie aufgeregt einer Spur folgte, zusammen und blieb auf der Seite liegen, ganz so wie das eine Mal auf dem Flurboden, berappelte sich dann wieder und lief weiter, als wäre nichts gewesen. Insgesamt hatte ihre Kondition nachgelassen, sie ließ öfter mal nach einer Stunde Spaziergang den Kopf hängen, was ganz und gar untypisch war. Zweimal brach sie Spaziergänge ab und ließ sich heim tragen.
Die schlimmsten Vorboten waren die immer wiederkehrenden Träume: Ich wache auf und meine Isis liegt tot und kalt an meinem Bauch. Ein sehr naher Bekannter träumte zu der Zeit, dass ich mit Isis auf einer Burg lebe. Er sah Isis von den Zinnen der Burg raus in die Freiheit springen und rätselte, wie sie je wieder hereinkommen sollte. Ich glaube nicht an Hokus-Pokus, aber an sehr feine Antennen, die wir alle auf das richten, was wir lieben, wenn wir starke, fürsorgliche Gefühle entwickelt haben. Als ob ein großer, unbewußter Scanner in uns arbeitet. Deshalb nehme ich auch sowas ernst. Nur damals war die Vorstellung, meine Hündin zu verlieren, für mich so unendlich schrecklich, dass ich geradezu die Augen geschlossen hielt und ich schüttelte diese Träume immer wieder ab.
Ich gehe jetzt zurück an den Abend des 24. Juni 1999, als sich der Kollaps am sehr frühen Morgen des nächsten Tages abzuzeichnen begann. Isis, rotzfreches Gör und Vorzeigehund in einem, verstand es immer, alles und jeden ums eigene Pfötchen zu drehen, akzeptierte dabei meine Vorgaben, wie unser Verhältnis auszusehen hatte, absolut. Deshalb bettelte sie mich niemals winselnd an, erflehte sich keine Aufmerksamkeit oder Leckerli mit weinerlicher Stimme. Bei Bedarf griff sie auf interne Codeverhalten zurück, so bedeutete Raubtierschleichen mit auf Frauchen gerichteten Augen, dass der Wassernapf leer war. Das war echt drollig, denn ich hatte ihr nichts von all dem beigebracht, nichts, das ich wüßte. Aber an dem Abend kam die Maus einfach nicht zur Ruhe, stand stundenlang vor meinem Sessel und flehte mich weinerlich an. Ich war ratlos und genervt, weil mir dazu nichts einfiel. Isis hatte am ganzen Tag nur widerwillig wenige Bröckchen TroFu nach dem ausgiebigen Spaziergang am Abend aus offensichtlichem Futterneid Vlinn gegenüber verspeist.
Irgendwann begann sie zu würgen und ich ließ sie heraus, damit sie sich erbrechen konnte, aber da kam nichts, erst viel später kam mit Galle vermischter Schleim, den sie ein wenig erbrach, der ihr aber auf dem Weg in die Tierklinik einfach aus dem Maul heraustropfte, während sich hintenrum etwas Durchfall mit Galle entlud.
Bevor das Schleimen und der Kotverlust einsetzten, machte ich die erste Entdeckung, die mich gleich so stark alamierte, dass ich den Notdienst einer Tierklinik verständigte und mich sofort auf den Weg machte. Gerade hatte ich die nervige Isis auf ihren Platz auf dem Sofa geschickt, da meinte ich ein Taumeln zu erkennen, während Isis und Vlinn umeinander liefen. Ich war mir nicht sicher, deshalb rief ich sie zu nir. Isis hatte erst gerade oben Platz genommen. aber sofort war wieder dieser Feuereifer *zu Frauchen gehen* in ihren Augen, an denen seit zwei Wochen die Nickhaut hervortrat, sie setzte die Vorderbeine auf den Boden, knickte damit weg und lag auf dem Boden. Ich rief nochmal, sie rappelte sich auf, brach wieder zusammen, ihre Vorderbeine wurden beim Versuch der Bewegung steif, die Pfoten setzten nicht richtig auf und die arme Maus fiel.
Den traurigen Ausgang habe ich weiter oben ja schon beschrieben. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass bei der Magenspülung unverdaute, aufgequollene TroFu-Stückchen erschienen, die, die sie Stunden zuvor widerwillig zu sich nahm.

Vlinn hatte kaum geboren erste gesundheitliche Schwierigkeiten. Ich konnte das anhand der verzögert stattgefundenen Grundimmunisierung rekonstruieren und der damals behandelnde TA bestätigte mir dann auch, dass eine Atemwegsinfektion der Impfung entgegenstand. Vlinn und mindestens eine Schwester, genannt Viola, wurden laut Impfausweis geboren am 01. November 1997. Er kam also ungefähr mit eineinhalb zu uns.
Bald zeigte sich, dass Vlinn ganz im Gegensatz rückwärts nieste. Nicht nur mal, sondern andauernd. Renntraining verstärkte die Symptome, ebenso Trofu, vor allem niedrig stehendes, Halsband statt Geschirr. Diese mehrmals täglichen Anfälle brachten uns zum TA. Dort wurde er mit AB gegen eine Kehlkopfentzündung behandelt - mit Erfolg, dass Rückwärtsniesen verschwand sofort, bis, ja bis ein heftiger Jojo-Effekt einsetzte, einige Zeit nach Absetzen der AB, So war ich wieder und wieder beim Tierarzt und Vlinn schaukelte sich weiter und weiter rein in diesen Kreislauf. Nach einer ergebnislosen sechswöchigen, durch Bronchoskopie abgesicherten AB-Gabe war auch nichts gewonnen. Damals zog ich dann die AB-Notbremse. Ich hatte den Verdacht einer Eiweißunverträglichkeit und deshalb fütterte ich fortan Haferflocken oder braunen Reis mit viel Joghurt und etwas Gemüse und Öl dazu, was meinem Schatz sehr zu bekommen schien, denn die Anfälle blieben aus, für etwas mehr als zwei Jahre.
Leider beobachtete ich bei Vlinn mit der Zeit eine zunehmende Konditionsschwäche, nach den symptomfreien Jahren kam die Kehlkopfentzündung trotz spezieller Diät mit aller Heftigkeit zurück. Schweren Herzens gab ich wieder AB. - Vlinn blieb auf Spaziergängen immer öfter abrupt stehen, musste heim getragen werden, wo er dann, als wäre nichts geschehen, wild durch den Garten rannte. Noch vor seinem Kehlkopf-Rückfall im Alter von 4 oder fünf Jahren, endete einmal einer unserer langen Spaziergänge an einem heißen Tag mit einem taumelnden, schwankenden Gang, zitternde und schwache Hinterhand. Wenig später war wieder alles wie gehabt. -
Nein, das Rückwärtsniesen kam nach der AB-Gabe diesmal nicht so heftig zurück, dafür stellte ich eines Abends eine hochgradige Koordinationsschwäche fest. Vlinn war so kraftlos, dass er getragen werden musste. Im Notdienst fiel die verkrampfte Rückenmuskulatur auf und er bekam eine entspannende Spritze. Es wurde gleich ein neuer Termin gemacht, denn endlich viel auch mal einem TA auf: Das ist kritisch.
Wir hatten damit zu kämpfen, dass Vlinn kein Pipi machen konnte. Ein Ultraschall zeigte eine zum bersten gefüllte Blase. Wieder Entkrampfung, Pipi lief raus, aber das nächste Mal folgte bald. Unterdessen wurde eine Entzündung des Nierenkörperchengewebes ausgemacht, die die Ursache für Verkrampfung, Harnverhalten und Schmerzhaftigkeit schien.
Vlinn bekam dagegen Antibiotika und Diazepam. Nach wenigen Wochen war das ausgeheilt und in Ordnung, durch Urintests belegt war diese Glomerulonephritis ausgeheilt. Trotzdem blieb die Verkrampfung, die Schwäche, das Harnverhalten. Dagegen bekam er wieder Spritzen, Blutbilder wurden angefertigt, Tumormarker gefunden, aber nichts konnte sicher diagnostiziert werden.
Nachdem wir eines Sonntags wieder beim Notdienst eine entkrampfende Spritze abgeholt hatten, entwickelte Vlinn auf der Rückfahrt eine Magenaufgasung. Trotz sofortiger Umkehr starb Vlinn noch während der Fahrt durch seinen ballonartig aufgedunsenen Bauch, der offenbar das Herz lahmgelegt hatte. Vlinn mit seiner seit etwa zwei Wochen hervortretenden Nickhaut ließ sich nicht mehr wiederbeleben. Darüber war ich, sehr zu meinem Schrecken, erleichtert.
Die Sektion brachte keinerlei Auffälligkeiten zutage außer einer gestauten Milz, aus der laut TA mehr Blut rausfloss, als er es je gesehen hatte, als er die Milz anschnitt. Die Speiseröhre wurde leider nicht untersucht, ebenso wurde nie Vlinns Brustkorb geröntgt.

Viele hier, die die Geschichte schon kennen, werden gemerkt haben, dass ich die Magenaufgasung, die für mich immer der Gund für das Ableben beider Hunde war, diesmal nur unter ferner liefen als eines von vielen Symptomen erwähnt habe.

Was ist geschehen?

Bedingt durch Rübchens Katarakt habe ich ein wenig über seine Verwandten im Netz recherchiert und fand einen jung verstorbenen Anverwandten mit Megaösophagus. Megaösophagus? Klar, habe ich schon öfter mal was von gehört. Weil es aber Rübchens Verwandtschaft ist, machte ich mich auf die Suche nach Informationen zu Megaösophagus und fand sehr bald, dass ein Megaösophagus die Folge von Myasthenia gravis sein kann. Also suchte ich weiter und fand eine Menge Interessantes, auch, dass die letztgenannte Krankheit individuell sehr verschieden läuft.

Hier mal eine kleine Übersicht mit Fallbeispielen:

http://www.myasthenia-gravis.de/bericht ... -beim-hund

Gerade das Beispiel von Tristan macht mich nachdenklich. Solche Symptome können leicht mit Epi oder leichter Sperre verwechselt werden.

So wirklich unheimlich wurde es mir dann aber erst, als ich Folgendes las:

http://www.the-flatcoated-retriever.de/inmemoriam.htm (bitte etwas herunterscrollen und das etwas längere Kleingedruckte lesen)

Ich beende hier erstmal, obwohl ich eigentlich noch viel mehr schreiben wollte. Ich möchte aber nicht zuviel vorkauen, denn immerhin ist das hier nur Spekulation. Trotzdem, wenn Ihr einen Whippet mit ähnlichen, unklaren Beschwerden habt oder kennt, mit Megaösophagus, Magenaufgasung, Muskelschwäche, Lähmung, die Ursache nicht klar ist und der Zustand des Hundes besorgniserregend, vielleicht kann meine Vermutung in so einem Fall den Durchbruch bringen.

LG Monika

Monika

Re: Eine Spekulation: Myasthenia Gravis?

Beitrag von Monika » 18. Dez 2011 21:36

Sorry, Fehler! Oben schrieb ich in der Vlinn Geschichte: ganz im Gegenteil. Ergänzt das bitte um: zu Isis. Weiter entschuldigt bitte die wirren Zeitsprünge. Die Erinnerung ist halt emotional belastend und macht die Schreibe etwas wirr.

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Re: Eine Spekulation: Myasthenia Gravis?

Beitrag von Nupsi » 18. Dez 2011 21:46

Puuuhhh- Monika, das ist ja harter Tobak, daß Du Deine Lieblinge unter so schlimmen Umständen verlieren mußtest tut mir leid.
Es zeigt mir mal wieder, daß man mehrere Meinungen im Krankheitsfall einholen sollte.
Wie in der Humanmedizin würde ich auch im Netz recherchieren. Habe ich am eigenen Leib erfahren- sonst ist man verloren.

Mit Ernie im Herzen

Monika

Re: Eine Spekulation: Myasthenia Gravis?

Beitrag von Monika » 18. Dez 2011 21:49

Danke für die mitfühlenden Worte! Ich muss erwähnen, dass Vlinn auch tatsächlich in etlichen Tierkliniken bis zur Uniklinik in Duisburg war, ohne dass eine Diagnose erstellt werden konnte. Ein TA spuckte es verächtlich aus: Überzüchtet. Aber was heißt das schon? Bei Isis war die Symptomatik viel schleichender und vesteckter: Ich sah Handlungsbedarf, aber nicht wirklich dringend.

Sabrina
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Re: Eine Spekulation: Myasthenia Gravis?

Beitrag von Sabrina » 18. Dez 2011 23:09

Danke für den Hinweis Monika! Tut mir sehr leid, dass du deine Lieben so verlieren musstest.

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Monika

Re: Eine Spekulation: Myasthenia Gravis?

Beitrag von Monika » 18. Dez 2011 23:48

@Sabrina: Lieben Dank!

@all: Ich ahnte doch, dass ich noch etwas vergessen hatte. Es geht um die Medikamentenunverträglichkeit, die bei Vlinn sehr deutlich wurde. Das bezog sich auf AB, aber auch auf Beruhigungsmittel, die vor der Narkose gegeben wurden. Auf entspannende Spritzen reagierte er final mit der Magenaufgasung, vorher läuteten sämtliche medikamentös begleitenden Therapien nur einen noch stärkeren Rückfall ein. Eine Erklärung finde ich hier:

http://www.myasthenia-gravis.de/was-vermeiden

Bitte habt ein wenig Geduld mit mir, falls mir noch mehr einfällt...

Und jepp, Isis hat zeitlebens nur einmal AB bekommen, wenige Wochen vor dem Kollaps.

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Re: Eine Spekulation: Myasthenia Gravis?

Beitrag von Machu-Picchu » 19. Dez 2011 00:14

Oje Monika, das tut mir so leid, dass du deine geliebten Hunde auf diese Art und Weise viel zu früh verloren hast. Ein Alptraum. Danke für deine Hinweise. Hoffen wir mal, dass niemand hier so etwas erleben muss.
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Krawutke

Re: Eine Spekulation: Myasthenia Gravis?

Beitrag von Krawutke » 20. Dez 2011 06:08

Ich habe am Wochenende das erste mal von dieser Krankheit gehört und mich auch erstmal reinlesen müssen.Puuuh...harter Tobak!
Die Symthomatik würde z.T. auf Vito's Krankheitsverlauf mit Todesfolge zutreffen.Bei ihm stellten wir/TA ja schon im Welpenalter den Megaösophagus fest und je mehr ich lese umso intensiver kommt die Erinnerung an diese schreckliche letzte Nacht,aber auch an sein Verhalten in den letzten Stunden wieder hoch.
Auch bei dem mittlerweile verstorbenen Ari gab es im Alter von 12 Jahren ein Vorkommnis mit unklaren Lähmungserscheinungen und steifem Überstrecken und argen Koordinationsproblemen wo nie eine Diagnose gestellt werden konnte.Er bekam damals AB auf Verdacht und nach 5 bangen und harten Tagen,ich hatte schon einen Termin zum Einschläfern gemacht,erholte er sich fast so schnell wie die Geschichte angefangen hatte.Danach lebte er noch 2 einhalb (schöne)Jahre mit kleinen Nebenerscheinungen.

Monika

Re: Eine Spekulation: Myasthenia Gravis?

Beitrag von Monika » 30. Dez 2011 20:47

@Machu-Picchu: Lieben Dank auch an Dich! Ihr ahnt ja nicht, wie sehr Ihr mir gerade helft. Oder ahnt Ihr es doch?

@all: Ich muss mich gerade nochmal ganz lieb beim Forum bedanken, insbersondere @Nupsi: Toll, dass so ein Brainstorming nicht nur möglich ist, sondern auch noch in warmem Ton geführt wird.
Ihr habt ja gesehen, wie durcheinander ich in der Erinnerung bin bez. genauer Zeitabfolgen bei manchen Dingen. Das muss an dem Schock damals gelegen haben und an meinem festen Glauben bis dahin, eine kerngesunde Hündin zu haben. Langsam reiht sich ein Teil der Geschichte und mir fallen hier nur so die Schuppen von den Augen.

Es gab in Isis Leben fünf Schübe mit zentralnervösen Störungen. Der erste zeigte sich, als sie nach einem Sprint in der Sommer(?)hitze kollabierte, jedoch nach 10 Minuten Abkühlen durch Handtücher und auf der Seite Liegen sprang Isis auf, als sei nicht gewesen. Deshalb kann es ja keine Greysperre gewesen sein, höchstens eine merkwürdige Form von Epilepsie. Hitzschlag glaube ich auch nicht, der schüttelt sich ja nicht mal eben so ab.
Dann verweigerte sie (trainiert!) plötzlich und mitten in der Aktion jeden weiteren Schritt beim Auslauf mit Rad, ließ sich nach Hause tragen und da düste sie ab, als wäre nie nichts gewesen.
Der dritte Schub kam nach der letzten Impfung. Nachdem Isis an einem heißen Tag nach Leinenspaziergang wieder auf einem Feld hoch aufgeregt und trabend eine Spur mit der Nase verfolgte, kollabierte sie wieder, lag auf der Seite, und sprang dann auf, als sei nichts gewesen. Eine weitere "Verweigerung", am Fahrrad zu laufen gab es und dann der tödlich endende Anfall.
Bei eins und zwei sowie drei und vier bin ich mir der Reihenfolge nicht sicher. Ich denke immer zuerst an den jeweiligen Kollaps, weil der beängstigender war.
Im finalen Anfall kam es zunächst zum Taumeln, dann Wegbrechen der Vordergliedmaßen und schließlich völlige "Entspannung" ohne Ohnmacht. Wahrscheinlich war das eine vollständige Lähmung inklusive Kehlkopf, deshalb das starke Speicheln.

Jetzt erst viel mir etwas auf, was ich völlig fehlinterpretiert haben könnte. In jedem Jahr entwickelte Isis genau dann Bläschen auf dem Nasenspiegel, wenn es das erste mal im Jahr so richtig knackewarm und sonnig war, wenn sie mehrere Stunden täglich durch den Garten flitzte oder sie ein ausgiebiges Sonnenbad nahm. Deshalb definierte ich die Erscheinung als Sonnenallergie, gab eine pflegende Salbe drauf und es verschwand.
Was ich nicht bedacht habe: Isis wurde im Anfang Februar geboren, korrekt(?) grundimmunisiert und jährlich aufgefrischt. Bei dieser Erscheinung kann es sich also mit Leichtigkeit um eine Impfreaktion gehandelt haben.

Warum hatte die Hündin zu bestimmten Zeiten diese Schübe? Vielleicht war ihre Hitze näher an den Impfungen? Das kann ich leider nicht mehr komplett rekonstruieren. Genausowenig kann ich mich an das Jahr erinnern, als sie hüftgeröngt wurde und dabei ungewohnte Medikamente bekam. Das mag Schub eins und zwei ausgelöst haben.

Im Text oben habe ich alle Indizien, die für eine Erkrankung an Myastenia gravis sprechen, kursiv hervorgehoben. Die dunkelrot geschriebenen Teile unterstreichen den Gedanken, dass es sich um eine Autoimmunkrankheit handelte.

Interessant in dem Zusammenhang ist, dass Isis wahrscheinlich einen Jack Russel Vorfahren hatte, ein starkes Indiz ist für mich ihre Fellbeschaffenheit, die der mancher kurzhaarigen Russels sehr ähnlich war. Ein ungewöhnliches Fell, glatt, recht kurz, sehr dicht auch an Bauch, Brust und Beinen, dabei ohne ungewöhnliche Überlänge, hart, elastisch, fühlte sich seltsam fettig an, war aber ohne sicht- oder fühlbare Rückstände an den Händen, wenn gestreichelt.
Ausgerechnet bei dieser Rasse ist eine angeborene Myasthenia gravis bekannt, allerdings vererbt diese Krankheit rezessiv, d.h., sollte meine Isis eine angeborene Myasthenie gehabt haben, dann durch beide Elterntiere.
Gesetz den Fall, Isis hätte diese Krankheit gehabt, ist es immer noch fraglich, ob angeborener- oder erworbenerweise. Eine angeborene Myasthenie hätte sich erstmals zwischen der sechsten und achten Woche bemerkbar gemacht. Zu dieser Zeit kannte ich aber meine spätere Hündin noch nicht. Auch habe ich durch den Mutterbesitzer nichts in der Art gehört.
Es gab nur eine Merkwürdigkeit. Ich denke da an die Wölbung im Bereich der letzten Rippen und Isis ewig dickes Bäuchlein, das irgendwie eine Nummer zu groß wirkte. Und ganz genau betrachtet war da noch etwas, etwas ganz und gar Unsichtbares. Die Hündin rülpste nie, sie erbrach nie. Bis zum Schluß. Vielleicht ist das alles nur Veranlagung, aber vielleicht ist es auch das Ergebnis einer schlaffen Muskulatur des Magens, die zu einer Magenausdehnung führte und den Raum im Rumpf etwas sprengte.
Alternativ könnte es ein Tumor gewesen sein, was ich beim Welpen ungewöhnlich fände, aber es gibt ja alles. Oder durch Einkreuzen etwas ungünstige anatomische Verhältnisse. Oder eine geschwollene Leber, oder...
Für diese Theorie spricht, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Hunde, die eine Magenaufgasung anstatt einer -drehung erlitten haben, ebenfalls niemals zuvor "gespuckt" haben sollen (vielen Dank an Frau Margot Dimi für diese Beobachtung!).
Jedenfalls, wenn Aufgasungen des Magens tatsächlich mit einer gelähmten Muskulatur in Zusammenhang stehen, dann könnte dies ebenfalls ein Symptom einer Myasthenie sein und wäre ein Indiz für eine angebeborene Form der Krankheit, da sie sehr früh einsetzte.

Bevor ich weiterschreibe betone ich lieber mal, dass Isis Mutter eine einwandfrei als solche erkennbare Whippethündin ohne jede Kennzeichnung war und deren Herkunft weit im Dunkeln liegt. Ich könnte sie bis auf die Farbe nichtmals genauer beschreiben, weil ich dafür früher kein Auge hatte. Zurückprojezieren ist nicht.
Jetzt kann ich entspannt die Frage beantworten, wie das hier vermutete Defektgen in diese Hündin gelangt sein könnte, also die Mutter meiner Isis. Es könnte z.B. eine Whippethündin aus England gewesen sein, wo viele Whippets und Lurcher oft unklarer Herkunft gezüchtet wurden und werden. Dabei kann das Gen in die "Rasse" gelangt sein.
Vielleicht kam es aber auch durch einen Terrier in Teile der frühen Whippets. Weil die Schübe der Erkrankung vor allem auch durch unsere moderne, tiermedizinische Betreuung heftiger ausfallen und früher im Leben des Hundes auftreten, dürfte diese Veranlagung damals kaum bemerkt worden sein. Die Terrierverwanstschaft des Whippets ist also weiteres Indiz.
Sollte es aber die erworbene Form der Myasthenie gewesen sein, so ist nur die Neigung erblich, nicht aber die Krankheit selbst. In dem Fall könnten gefährdete Hunde durch angepasste Haltung und Zurückhaltung gegenüber vielen Medikamenten gesund erhalten werden, während dasselbe Vorgehen beim angeborenen Myastheniker nur Symptome lindert.

Ich glaube, damit kann ich das Kapitel Isis abschließen. Ich nehme mir den konkreten, aber nicht belegten Verdacht mit, dass es Myasthenia gravis war. Dass es aber eine Autoimmunkrankheit war, dessen bin ich mir jetzt zu 99% sicher. Weiter nehme ich mir mit, dass ich tatsächlich in Zukunft sehr genau überlege, was ich einem Whippet an Impfungen, Wurmkur etc. zumute und was lieber nicht.

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Ich habe tagelang an diesem Beitrag geknabbert. Er war schwer zu schreiben, schwer, die Gedanken in die richtige Reihenfolge zu bringen. Beim Sortieren der Eindrücke gab es auch wieder neue Ideen usw. Und der innere Schweinehund stänkerte auch noch dagegen an. Deshalb habt bitte Geduld, wenn ich mir mit allem hier Zeit lasse.

@Krawutke: In dem Sinne... Der Megaösophagus ist ein sehr komplexes Thema, aber auch hier besteht zur Zeit nur der Verdacht eines Zusammenhangs, weil die Myasthenie häufigster Auslöser des erworbenen MÖ ist. Eine kleine Zusammenstellung möglicher Ursachen habe hier entdeckt:

http://whippet-health.co.uk/#/megaesophagus/4549951887

Wenn Du möchtest, kann ich da gerne mal recherchieren. Aber vorwerfen brauchst Du Dir da nichts. Auch die tolle, oben verlinkte Aufstellung ist noch recht neu und frisch im Netz. Bestimmt hast Du nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, das glaube ich fest. Mir ging es da nicht anders. Klar habe ich Fehler gemacht, aber doch nicht mit Absicht.

LG Monika

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Re: Eine Spekulation: Myasthenia Gravis?

Beitrag von Nupsi » 30. Dez 2011 22:10

Hallo Monika,

es ist sehr beeindruckend wie Du Dich mit dem Thema auseinandersetzt. Mit solchen Berichten wird ein Forum bereichert und gibt vielleicht dem Einen oder Anderen Denkanstöße.
Ich arbeite zwar im med. Bereich doch kenne ich mich solch speziellen Krankheiten garnicht aus. Doch vielleicht kann man auf so eine Art und Weise immer mehr Fakten zusammen tragen und doch irgendwann mal einem Hundehalter mit dem Wissen helfen.
Ich werde das Thema oben anpinnen.

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