Greyhoundsperre - auch beim Whippet?!

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Nupsi
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Greyhoundsperre - auch beim Whippet?!

Beitrag von Nupsi » 25. Nov 2009 22:23

Hallo,

da Viele nicht wissen was damit gemeint ist - hier ein interessanter Bericht


Greyhoundsperre / Myoglobinurie

Es ist, wie oft beschrieben, keineswegs nur ein Muskelkater von untrainierten Windhunden!

Ein unbehandelter Windhund (andere Hunde betrifft es nicht!) kann innerhalb sehr kurzer Zeit daran sterben. Leichte Fälle, wo man z.B. "nur" am Urin erkennt das etwas nicht stimmt, die mögen mit einem Muskelkater vergleichbar sein. Eine hochgradige "Greyhoundsperre" NIEMALS! Sie können schwere Organschädigungen nach sich ziehen und sehr oft tödlich sein!

SEHR schnelle Windhundrassen, wie Greyhounds, auch Whippets und auch Galgos können betroffen sein, bei ihnen kann es während oder nach einem extremen Sprint/Hetzen, unter ganz bestimmten Umständen, zu einer Greyhoundsperre kommen, auch wenn sie durchtrainiert sind. (!!!) Da dies in der Regel nur extrem schnelle Windhunde betrifft, wohl der umgangsgebräuchliche Name Greyhoundsperre. Auch Pferde sind davon betroffen, unter dem Begriff "Kreuzverschlag" dürfte es jedem Tierarzt bekannt sein.

Windhundhalter dieser sehr schnellen Windhundrassen müssen, meiner Meinung nach, von dieser "Krankheit" wissen, da es nicht jedem Tierarzt bekannt ist, nicht jeder Tierarzt spezielle Windhunderfahrungen hat, im Extremfall nur durch IHR Wissen das Leben Ihres Windhundes gerettet werden kann.

Ich habe es selbst bei einem meiner Hunde erlebt, habe von einigen Greyhounds erfahren, die es nicht überlebten, noch in der Tierklinik starben. Mein Windhund war in der Klinik, in die ich SOFORT fuhr, der erste Windhund, der dieses hohe Stadium in dieser Klinik überlebte.

Sehr oft, wenn über die Greyhoundsperre geschrieben wird, lese ich das es NUR untrainierte Hunde betrifft oder Windhunde, die nicht genug "warm gelaufen" waren. Dem widerspreche ich ausdrücklich! Das erlaube ich mir auch als Laie, ohne medizinische Kenntnisse, eben aus eigener Erfahrung, was ich von anderen Windhunden mitbekam und weil ich diese "Verharmlosung" unter Umständen sogar für gefährlich halte. Denn:

1. Betrifft es nicht wenige wirklich durchtrainierte Greyhounds, die auf Rennbahnen aktiv sind

2. Mein Windhund war wahrhaft durchtrainiert, sowohl regelmäßig auf der Rennbahn als auch Sprinten im offenen Gelände gewohnt, sehr gut aufgezogen, vollkommen gesund und reichlich warm gelaufen

3. Habe ich eine ganz andere Aussage von "meiner" Tierklinik, die sich auch auf Windhunde spezialisierte. Diese Aussage erscheint mir sehr glaubhaft, da sie nicht nur an meinem durchtrainierten "Rennwhippet" nachvollziehbar war, auch an betroffenen Hunden die mir bekannt waren.

Einige Voraussetzungen um eine "Greysperre" zu bekommen können demnach unter anderem sein:

1. ein extrem trockener Windhund, bei dem die Muskelmasse im Verhältnis zum Körper noch extremer als "normal", zugunsten der Muskelmasse verteilt ist
2. im Wesen extrem sensibel
3. extrem ausgeprägter Hetztrieb und zu extremer Geschwindigkeit fähig!
4. Häufig auch schwüle oder zu warme Außentemperaturen, kann aber auch bei Kälte vorkommen.
5. Oft recht leichte, zierliche Windhunde, sie zu wirklich extremen Leistungen fähig sind

Natürlich KANN es so sein, das man es als eine Art Muskelkater bezeichnen kann, aber dies ist nur die leichteste Form, die oft nur am dunklen Urin nach einem Rennen zu erkennen ist. Es liegt auf der Hand, das ein untrainierter Windhund, der durch Hetzen oder schnelles Rennen absolute Höchstleistungen erbringt, dies nicht unbeschadet überstehen könnte, auch das er diese gefürchtete "Greysperre" bekommen kann. Aber das alleine kann nicht immer der Auslöser sein, wie es regelmäßig trainierte Windhunde zeigen. Es ist ein Zusammenspiel von bestimmten Umständen.

Bei einem Windhund, der nicht regelmäßig trainiert wird, ist die Wahrscheinlich allerdings wesentlich höher durch einen Sprint die Greyhoundsperre zu bekommen, beinahe vorprogrammiert.

Bei einer hochgradigen Greyhoundsperre ist der Hund kaum oder nicht mehr in der Lage zu laufen oder sich zu bewegen. Vorbote kann steifes, staksiges Gehen/Bewegen sein. Er liegt am Boden, die Beine verkreuzt, der ganze Körper ist vollkommen und hart verkrampft, die Zunge lang und dick angeschwollen herausstreckend, die Augen quellen hervor, der Hund hat extrem hohes Fieber, der Urin ist dunkel, usw.
In einem solchen Fall gibt es NUR eine Rettung, sofort (!!!) zum nächsten Tierarzt, am besten in die nächste Tierklinik, mit dem Glück das sich diese Klinik damit auskennt. Der Hund MUSS SOFORT elektrolythaltige Infusionen bekommen, die Körpertemperatur gesenkt, die Nieren- und Leberwerte überprüft... Das tagelang, nach Wochen eine Kontrolle.
Nicht jeder Tierarzt kennt die Greyhoundsperre, eher noch den Kreuzverschlag bei Pferden. Mit Wissen über Letzteres ist der Tierarzt aber in der Lage den Hund zu retten, wenn er sehr schnell handelt.
Bis sich der Windhund von einer extremen Greyhoundsperre erholt hat, vergehen Wochen bis Monate.

Nach einem schnellen Lauf sollte man den Urin des Windhundes beobachten. Sobald er sich dunkler zeigt, besteht schon die Gefahr, das er eine leichte Greyhoundsperre hatte, die unbehandelt schon Nierenschäden nach sich ziehen kann. Der Gang muss beobachtet werden, ob er wie steif läuft, vielleicht der Rücken gekrümmt ist, ob er besonders abgeschlagen ist, ob er Fieber hat, auch am nächsten Tag kann das alles noch auftreten.

Meine eigene Erfahrung zeigte mir auch, das ein Windhund, der eine Greyhoundsperre erlitt, immer wieder davon betroffen werden kann, egal wie durchtrainiert und warm gelaufen der Hund ist!

Ich empfehle jedem Windhundbesitzer der in Frage kommenden Rassen sich ausgiebig darüber zu informieren, damit er im Ernstfall sehr schnell und vor allem richtig reagiert. Sie sollten sich auch nach einem Tierarzt umschauen, der wirklich Wissen über die speziellen Besonderheiten von Windhunden hat! Das kann ihrem Hund unter Umständen das Leben retten.

Ich erlaube mir auf meiner HP eigentlich nicht über medizinisches zu schreiben, eben weil ich ein Laie und deswegen nicht befugt dafür bin. Da aber immer mehr Windhunde, besonders ehemalige Rennhunde und "ausgediente" Jagd-Windhunde ein Zuhause finden, deren Besitzer in der Regel noch keine speziellen Windhundkenntnisse haben, möchte ich besonders diese darauf hinweisen. Aktive Windhundbesitzer, die womöglich Windhundvereinen angeschlossen sind, kennen dieses Thema.

Verhindern Sie unbedingt, das ein Windhund, der nicht gesund ist, vielleicht frisch geimpft, entwurmt oder wie erwähnt nicht regelmäßig trainiert hetzt - ganz abgesehen davon das es in offenem Gelände sowieso verboten ist! Das betrifft auch ein vielleicht erstes rennen lassen auf einer Windhundrennbahn, nach einer Attrappe. Ein Windhund ist durch seine vergrößerten Organe, andere anatomische Unterschiede zu allen anderen Hunden und durch seine angeborene Wesenspezialisierung in der Lage extrem schnell zu rennen. Seine enorme Höchstleistung zeigt der Windhund, wenn der Hetztrieb ausgelöst wurde. Das wird er auch tun, wenn er die Möglichkeit dazu hat und nicht fit genug dazu ist!

Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßen passieren das Ihr Windhund ausbüchst, einem Hasen hinterherhetzt und nicht mehr zurück kommt, KANN ES AUCH SEIN das er irgendwo völlig verkrampft mit Greyhoundsperre liegt, keinen Schritt mehr laufen kann und stirbt. An den Haaren herbei gezogen? Keinesfalls! Ich habe es früher selbst erlebt, nur fand ich meinen Hund und konnte ihn retten. Ich betone bewusst noch einmal, dieser Hund war von Geburt an optimal aufgewachsen, kern gesund und sehr gut durchtrainiert.


Für Windhunde unter Umständen WICHTIG

Ich möchte Sie darauf hinweisen das es bei Windhunden einige "medizinische Besonderheiten" gibt, die offensichtlich Tierärzten nicht immer bekannt sind. Unter Umständen können sie bei Nichtbeachtung für den Windhund schwere Folgen bis zum Tod haben, wenn sie wie "jeder andere Hund" behandelt werden.

Da ich ein medizinischer Voll-Laie bin werde ich selbst nicht darüber schreiben. Bitte informieren Sie sich selbst. (Zu manchem kann ich Ihnen einen Link zum Nachlesen anbieten, da sie für manche Besonderheiten wenig Informationen finden)

Windhunde haben andere Blutwerte: Blutwerte Greyhound Blutwerte Galgo

Antibiotika auf der Basis von Sulfonamiden KÖNNEN für Windhunde problematisch sein, es sind auch schon mehrere Windhunde (Deerhounds) daran gestorben. Vermeiden Sie ebenfalls beim Antibiotika Chloramphenicol, worauf schon Windhunde (Deerhounds) mit Vergiftungserscheinungen reagiert haben. LINK Seite 18 (pdf. Format) Weil mein Greyhound/Galgo eine lebensgefährlich heftige Reaktion auf ein Antibiotika zeigte, wollte ich mehr darüber wissen und entdeckte bei meiner Suche diesen Hinweis auf der angegebenen Deerhoundseite. Und wirklich, er hatte Antibiotika auf der Basis von Sulfonamiden bekommen...

Für Windhunde KÖNNEN Verbände über mehrere Tage fatale Folgen haben! LINK (pdf. Format) Diese Aussage kann ich nach meinen Erfahrungen mit meinen Windhunden ebenfalls bestätigen

Medizinischer erklärt können Sie über Greyhoundsperre auch bei Windhunde sind Jagdhunde nachlesen. Wobei ich aus eigener Erfahrung auch hier der These widerspreche, es beträfe nur "untrainierte" Windhunde oder Windhunde die z.B. wochentags nicht ausgelastet sind, dann Höchstleistung in Form von Hetzen erbringen.
Quelle.rubis-arche

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Re: Greyhoundsperre - auch beim Whippet?!

Beitrag von redCowgirl » 25. Nov 2009 22:51

Danke! Sehr gut geschrieben und informativ! :ja:
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Re: Greyhoundsperre - auch beim Whippet?!

Beitrag von redCowgirl » 29. Nov 2009 18:32

Was mich aber wundert: manche sagen, dass es untrainierte (Hetzen) Hunde trifft und die anderen behaupten das Gegenteil (es kann jeden Hund treffen).
Bei Pferden ist die These, dass es nach "Stehtagen" (Monday-Disease) häufiger auftritt schon lange veraltet.
Was ist denn nun richtig??

Bei Gini weiss ich nur: es tritt immer unverhofft auf. Egal ob warm, kalt, gerade gut oder wenig trainiert. Ich kann es weder verhindern noch voraussagen. Nach der intensiven Hasenhetze hatte sie nichts. Läuft sie aber manchmal 3-4 x hinter einem Ball her ist der Urin rötlich gefärbt.
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Re: Greyhoundsperre - auch beim Whippet?!

Beitrag von Snow White » 29. Nov 2009 20:15

Ich finde diese Informationen sehr wichtig und werde sie mir morgen ausdrucken.
Mit Nelly ging es mir schon zweimal so.

Es war keine ausgeprägte Sperre, aber etliche hier erwähnte Symptome waren vorhanden...
GsD habe ich einen sehr fähigen TA, der uns schnell helfen konnte...

Es ist auch sehr schwierig, wenn man beim Spazierengehen plötzlich auf einen Hasen stößt...Da ist ja der Schalter sofort umgelegt...ein Albtraum...
Ich bemühe mich halt immer, das Risiko so gering wie möglich zu halten, aber man kann die Nasen nicht vor allem beschützen. Sonst müssten sie eben immer an der Leine laufen, auch blöd.

Also vielen Dank nochmal...
LG,
Ivonne mit Nelly, Yaymee und dem Hazelkind

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Re: Greyhoundsperre - auch beim Whippet?!

Beitrag von redCowgirl » 29. Nov 2009 22:31

Glücklicherweise ist Ginis Sperre ja nie sehr ausgeprägt gewesen und hat sich auf eine Pipi-Portion in Rot beschränkt. Keine Steifigkeit, Mattigkeit oder Ähnliches. So können wir doch recht gut damit leben. Ich hoffe nur, dass es niemals so stark wird, dass schnellstes Handeln angesagt ist. Aber sie steht immer unter Beobachtung bei mir und ich rechne ständig damit. Es sollte nur möglichst niemals im Polen-Urlaub passieren. Ich wüsste nämlich nicht, wie ich das einem polnischen TA erklären sollte. Vielleicht sollte ich mir eine "Anleitung" mal in polnisch übersetzen lassen....
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Re: Greyhoundsperre - auch beim Whippet?!

Beitrag von Monika » 24. Jan 2012 04:24

Ich habe hier was sehr interessantes über Ursachen einer Azidose (Übersäuerung) ausgegraben. Eine Gruppe von Muskelerkrankungen, die unter dem Oberbegriff Glykogenspeicherkrankheit zusammengefasst werden:

http://www.muskelerkrankung.de/glykogen ... -gsd3.html

Diese Erkrankungen lösen zum überwiegenden Teil sowohl Azidosen als auch Myasthenien unterschiedlichster Schweregrade aus. Sie sind unheilbar und können teils nur durch entsprechende Diät und je nachdem Bewegungstherapie gelindert werden.

Beim Menschen führt man die Erkrankungen allesamt auf mutierte Gene zurück. Scheint so, dass die Wissenschaft in letzter Zeit Riesensprünge gemacht hat - man findet immer ausführlicheres Material dazu im Netz.

Eine Merkwürdigkeit für sich muss bleiben, dass der gegenwärtige Fortschritt in der Erforschung seltener Erbkrankheiten beim Menschen zum großen Teil von der Isolierung defekter Gene bei Rassehunden profitiert hat, wohingegen die Liebhaber vieler Rassen in den letzten Jahren Blutsproben an die Genforschung schickten, aber als Ergebnis nur so etwas präsentiert bekamen:

http://epidal.dalmatiner.org/

Daneben gab es natürlich aber auch die tatsächlich für unsere Hunde erfolgreichen Studien, ich brauche nur an das Myostatin-Defektgen zu erinnern.

LG Monika

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Anne
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Re: Greyhoundsperre - auch beim Whippet?!

Beitrag von Anne » 24. Jan 2012 13:03

Danke für die ausführlichen Infos
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Monika

Re: Greyhoundsperre - auch beim Whippet?!

Beitrag von Monika » 24. Jan 2012 18:07

Ich sollte zu meinem Post noch nachtragen, dass ich die generelle Neigung, unter schlechten Vorraussetzungen eine Greyhoundsperre zu erleiden, für rassebedingt und nicht zwangsläufig krankhaft halte.

Wenn darüber hinaus aber bei einem Individuum wiederholt und "unbegründet" eine Sperre autaucht, zählt die Glykogenspeicherkrankheit zu einer der plausibelsten Erklärungen.

Ein Paradebeispiel hierfür ist z.B. Morbus McArdle, Anklicken lohnt, der Text ist auch für Laien sehr verständlich:

http://de.wikipedia.org/wiki/Morbus_McArdle

LG Monika

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